FM4, Superhelden und der unverdaute Adorno

Manchmal entdeckt man durch Zufall den Mist, dem man, wissend, dass er in den Medien herumkreucht, halb bewusst halb unbewusst flieht, dennoch.

Dass Filmkultur, dieses schlechtmoralische Feuerwerk an bunten Explosionen, gefangen in der ewigen Verweisstruktur dieser wirklichkeitsfliehenden Zunft, die alles in ihr Universum ziehen möchte, also auch versucht, die Kritische Theorie in ihren Filz zu verfangen, ist wenig überraschend. Die Filmemacher waren, so darf angenommen werden, auch stolz auf ihre positive Aufhebung – wiewohl negative Bestätigung – der Kritischen Theorie. Der FM4-“Kritiker“ des einfältigen Filmes „Suicide Squad“ jedenfalls war sich nicht zu blöd, seine Kritik damit zum krönenden Abschluss zu bringen.

Was Adorno zusammenfassend ausdrückte, nämlich, was ja dieser Film und all seine Brüder im Geiste mittels ihrer Existenz stetig und erfolgreich – wenn auch weithin ungehört – bestätigen wollen, dass es kein richtiges Leben im falschen gäbe, wird von einer der Figuren umgedreht hin zu: dass es kein richtiges Leben ohne das falsche gäbe. Das ist dem Rezensenten die „echte Botschaft“, die seinem Verstand auch eine Wahrheit zu sein scheint. Man kann nur hoffen, solcher Unsinn wird aus demselben Grunde geschrieben, wie andernorts sinnlos Listen ausgefüllt werden, weil man eben in Lohn steht. Das macht es nicht besser, für uns alle wahrscheinlich noch schlimmer, bliebe aber immerhin noch eine individuelle Entschuldigung.

Das Adornosche Oeuvre in diesem Satz zu konzentrieren, wenn er auch so oft zitiert wurde, dass dieser selbst von FM4 vernommen wurde, ist nicht zulässig, aber dennoch ist in diesem gedrängt, was Kritische Theorie als, sprachlich oft alterierte, Wahrheit erkannte. Ein schlechter Schreiberling kann das nicht verstehen, aber in typischer kulturindustrieller Respektlosigkeit und Anmaßung kann er profanisieren, verkleinern und die Handhabbarkeit der Kritischen Theorie üben, um sie dort zu entschärfen, wo sie wehtun könnte.

So fallen dem Rezensenten dann die Ambivalenzen des Menschseins ein, greift also auf Heideggersche Wesensbestimmungen zurück – die, hätte er Adorno gelesen, ihm zumindest verdächtig vorkommen könnten -, wie sie heute wieder en vogue sind, wo niemand nirgends etwas von Verhältnissen versteht. So ist ihm die Welt in Ordnung, wie sie ist, weil die Menschen halt böse sind, damit die Guten sich beweisen können. Ihm und der ganzen vermaledeiten Kleinbürgerklasse der Kulturindustrie (Journalisten, Lehrer, Beamte, Regisseure, Bücherschreiber…), die nie – und wenn dann nur vermeintlich – gegen die Welt, sondern immer nur für sie schreiben; gerade dann, wenn sie sie kritisieren, weil sie ja nicht begreifen, was sie kritisieren, wäre mehr Verstand zu wünschen. Vergebens! Das ist die Moral, die diesen Filmen entwächst und die der Rezensent festhalten möchte, eine im schlechten Sinne infantile, die jede Dialektik bloß verkehrtherum als Ambivalenz festhalten will, eine Welt der Comics, in der peinliche Erwachsene, wie Kinder vor dem Weihnachtsbaum einst, mit roten Kopf und vor Aufregung geöffneten Mund blöde dasitzen. Alles was frühere Superheldencomics – vielleicht und jedenfalls falsch – einmal festhalten wollten, der immer schon infantile aber ehemals ehrenhafte Kampf gegen eine böse Welt und die Kämpfe mit sich selbst, aus denen man wächst, wird in derartigen modernen Comicverfilmungen in einem blinden Reigen an explodierendem Nonsens vollständig aufgelöst und durch schablonenhaften Bösewichter, die sich kaum, zumal in ihren Mitteln, von den mordenden Guten unterscheiden (was ja die tiefere und grausam unmenschliche Moral dieser Machwerke ist, dass es keinen Unterschied mache, was man tue), verschwindet die letzte Ahnung von etwas Gutem. Das ist dem Rezensenten dann das treffendere Bild einer Realität ohne Freiheit, die im Film und dessen beschränkter Kritik schon mal die Kritische Theorie überwindet. Der einst fortschrittliche Gedanke von Grautönen gegen eine zu repressive Moral wird längst zur Ausrede, das Böse nicht mehr erkennen zu müssen.

Was Adorno hier festhalten wollte, dass die Totalität des Kapitalismus alles einschließt und es keinen Standpunkt der Befreiung außerhalb geben kann, mithin ein Aufruf zur Reflexion innerhalb dieser Totalität, damit etwas von Freiheit festgehalten werden kann, wird von keinem Zweifel angeflogenen Kleinbürgern als obsolet dekretiert, da nun in seliger Ambivalenz Gut und Böse zusammengehören, damit bloß menschliche Erscheinungen sind, die in alle Ewigkeiten und sinnvoll den Guten die Möglichkeit geben in unendlicher Wiederholung sich zu beweisen. Die Welt macht diesen Menschen in ihrer Hölle Sinn, weil ihnen noch die Menschenvernichtung als Veredelung des Menschen erscheinen muss, wie ja von manchen guten Deutschen in Hinsicht auf ihr Holocaustdenkmal auch schon mal offiziell behauptet wird.