Israels Dilemma, der verlorene Kulturkrieg der Linken und der Sieg der Barbarei

Ein Pogrom wurde von der Welt wieder einmal mit – in der Tat: großem – Jubel beantwortet, der jüdische Staat verlor etwas von seiner Sicherheit, weil er einen Moment so selbstvergessen war, sich wie ein normaler Staat um interne Ausgestaltung zu rangeln und mit arabischen Staaten diplomatische Beziehungen einzugehen, was ihm prompt und auf schmerzhafte Weise daran erinnerte, dass er kein normaler Staat ist und die Antisemiten dem Juden stets nach dem Leben trachten. Dies wird ihm, in einer an absurden Verdrehungen und Wendungen sonst schon nicht armen Welt, von seinen vielen Feinden noch zum Vorwurf erdichtet: der Zwang jüdischer Hafen für die verfolgten Juden dieser Welt zu sein sei eine perfide ethnische Staatsidee. Nachdem die muslimischen Barbaren Juden (und auch vereinzelt Muslime) zu aberhunderten brutal und sadistisch töteten, feierten Muslime und Linke weltweit die Angriffe als Widerstand und schrien „gas the jews“ und „from the river to the sea“, während die „respektablen“ Medien sich auf die gemutmaßte und erwartete Brutalität der israelischen Armee schon mal voreinstellten, bevor Israel die Terroristen aus dem eigenen Land überhaupt vertrieben hatte; sie logen außerdem so deutlich, sodass ihnen mitunter schon selbst bange ob ihrer Chuzpe wurde. In Erwartung der vielgefürchteten jüdischen Rache, die die respektablen antizionistischen und also antisemitische Medien herbeiphantasierten, nahmen sie die propagandistischen Pressemitteilungen ebenjener Mörder, die sie gern auch mal Widerstands- oder Freiheitskämpfer nennen, face value und machten sie zu erfolgreichen Artikeln oder Tweets. So kann es passieren, dass, abgesehen von schweren und peinlichen Fehlern, noch das Herunterreißen von Plakaten der Verschleppten in der NYT als „Entlastungsventil“ verteidigt wird, da es doch nur der Befreiung von den Schmerzen diene, die die Israelis den Palästinensern antun würden, denen man sich ach so verbunden behauptet (und sie doch der Hamas ausliefert), um seinen eigenen Antisemitismus human zu verzieren. Diese Art von intellektueller Unehrlichkeit, getarnt durch Wortdreherei, dient immer der Verheimlichung des tiefen Einverständnisses mit einer schlechten Sache. Die Vereinten Nationen, dieser lächerliche Bund von autoritären Herrschern, Taktierern und Appeasern, verlangt einen Waffenstillstand und also die Kapitulation des angegriffenen Landes, nicht etwa die Entlassung der Geiseln durch die Hamas, welche in der Resolution nicht einmal erwähnt wird. In England diskutiert die Polizei islamische Theologie, damit sie Jihad-Aufrufe kontextualisieren kann und lässt brutalisierte Dummköpfe auf der Straße von der Auslöschung einer Nation und dem Vergewaltigen und Töten von Juden brüllen. Die Polizei übernimmt in manchen Ländern das Entfernen von an die Entführten erinnernden Plakaten gleich selber, eine Aufgabe, die in anderen noch der antisemitische Pöbel inne hat. Vor der Downing Street beten Massen einen muslimischen Gott an – im Land des „Leben des Brian“ –, was die Gutmenschen als Happening, nicht als Landnahme und Bedrohung der staatlichen Herrschaft erkennen wollen oder tatsächlich nicht können. Der Antisemitismus ist tatsächlich das erklärende Moment der modernen Gesellschaft, aber die Sprecherin des Weißen Hauses kann keinen erkennen, während sich jüdische Studenten vor dem Mob verbarrikadieren müssen. Derweil ist die Angst der Integrationsbeauftragten von Berlin vor antimuslimischen Rassismus, dieser scheinbar so speziellen globalen Herausforderung, größer als alles andere. Im Gaza als vogelfrei erklärte queere Menschen verteidigen ernsthaft die Hamas, eine Blödheit, die sprachlos macht, und die Freunde der Kunst, die nie etwas von Geschichte gehört haben, geschweige denn den „Konflikt“ – eigentlich antisemitischen Hass – verstehen, schwafeln in dem angelernten Kauderwelsch eines poststrukturalistischen Idenititätsgedöns, in welchem sie zwischen dem Einreißen aller Mauern, von der fluiden Infantilität träumend (Kategorien als Feind) und der rassischen, identitären und ebenso infantilen Zuordnung zu unhintergehbaren Kollektiven schwanken. Und weite Teile des sich dem Feminismus zurechnenden Lagers, die meist dort vom Patriarchat schwafeln, wo sie es ganz sicher nicht finden und im Kampf gegen den „männlichen Blick“ und der solcherart konnotierten Sprache den großen modernen feministischen Auftrag sehen, gehen über Massenvergewaltigungen mit einer erschreckenden Gleichgültigkeit hinweg, wie sie überhaupt islamistische Täter infantilisieren und ihnen jede Selbstverantwortung in Handlungen absprechen. Die Machtdemonstrationen der Antisemiten aller Couleur weltweit ist angsteinflößend, wird von den der falschen Gleichsetzung der „Konfliktparteien“ in den „respektablen“ Medien, und dem allgemeinen Wahn in den sozialen angefeuert und bezeugt aufs Neue, wie gefährdet das jüdische Leben faktisch überall ist.

Die Idee der Verhältnismäßigkeit, die Muslime in Stellvertretung der Hamas jetzt für das mörderische Regime samt der sie in nicht kleinen Teilen unterstützenden Zivilbevölkerung fordern, versucht ganz objektiv die Einordnung der Angriffe der Hamas in den Israel-Palästinakonflikt, die also das Morden mit einer Gegenwehr gleichsetzt – was an sich schon voller falscher Voraussetzungen ist – und so tut, als ginge es beim blindwütigen Schlachten von Juden irgendwie um den Land- und Nationenkonflikt. Diese Idee stellt die Hamas und Israel auf eine Stufe, wo doch die politischen Vertretungen der Palästinenser, das gilt auch für die Autonomiebehörde, den status quo bloß deshalb aufrecht erhalten, weil sie davon leben, die ewigen Opfer im Widerstand genannten Versuch Juden zu ermorden zu sein, für das die palästinensische Zivilbevölkerung – die gegen das Morden gar nicht so viel einzuwenden hat – den Preis zu zahlen hat. Man würde, wäre das noch realistisch, hoffen, die Palästinenser erkennen ihren eigenen Feind über die dumme Identitätspolitik hinweg im sogenannten eigenen.

Die religiös inspirierte Landnahme der Muslime ist eine politische, sie ist Religion als öffentliche Politik einer nie ins private gedrängten Religion, die sich in Machtdemonstrationen gegen Frauen (Köln etc.) oder im öffentlichen Beten, der Verweigerung des Handschlags, schreienden Muezzins und der Schule oder dem Schulhof und verlängert in den sozialen Medien zeigt, die immer mehr coram publico stattfindet oder versteckt unter aller Augen, wie in der englischen Stadt Rotherham und anderen. Die islamistische Ideologie kann daher nicht unabhängig von einer nie privat gewordenen Religion gesehen werden, wenn sie auch nicht mit dieser gleichläufig ist. Eine Änderung dieser Situation würde auch eine Kritik und Reflexion des Islams benötigen, die nicht zuletzt deshalb blind abgewehrt wird.

Diesem Wahnsinn stellen sich nun immer erfolgreicher konservative öffentliche Figuren, Medien und Politiker jeder Façon entgegen, die zwar teils vordergründig auf Stimmen- und Kundenfang sein mögen, teils auch ehrlich einer offenen Gesellschaft mit wehrhaften Staat huldigen, jedenfalls aber gegen die regressiven Absurditäten weiter Teile der Linken vorgehen. Dabei aber setzen sie in typisch konservativer Manier den Staat und die Weltordnung wie sie sind und samt ihnen den Kapitalismus und die in ihm lebenden Monaden und ihre psychische Zurichtung als naturhaft gegeben, wesenhaft bestimmt. Wobei ihnen die je psychisch-individuelle Ausstattung alleine durch moralische Entscheidung veränderbar erscheint, die sie rein voluntaristisch – eine Ablehnung jeder Psychoanalyse – zu bestimmen versuchen. Die gespaltene Linke, deren einer großer Teil völlig verrückt gegen die Zivilisation, einseitig gegen den Westen und mit den Barbaren auftritt und deren anderer kleiner Teil kaum noch eine Rolle spielt, ist chancenlos und verliert den von ihr so hochgehaltenen und von Irrtümern und Blindheiten gespickten Kampf um politische Hegemonie im Sumpf von erfundenen und sich dynamisch erneuernden Pronomen und das richtige Gendern gegen Konservative, die sich der Unterstützung der Mehrheiten immer gewisser sein können. Unterschiedlich starke Reste einer bürokratisierten und staatseingebundenen Linken allerdings – stark abhängig von der Sicherheit der prozessierenden Verwertung des Kapitals und, eng damit verbunden, der Stabilität der jeweiligen Staaten – bezeugen die jederzeit abrufbare Existenz eines fast atavistischen Rests, der an überkommenen Vorstellungen festhält, die den Antisemitismus zwar staatstragend blind bewahren, und die, objektive Vernunft vorschützend und ihrem kleinbürgerlichen Naturell entsprechend, die vorhandene Ordnung verewigen wollen. Solange sie finanziert werden, wird dieser dritte Stand zwischen Kunst und Medien gerade in Europa noch was zu sagen haben. Er ist allerdings ob der Sicherheit seines Untergangs verunsichert, wem er sich andienen soll.

Die Blindheiten einer identitären Linken und einer konservativen Liebe zum Bestehenden, lassen sich nicht gegenrechnen, denn sie beruhen auf demselben Fehler der ewigen Entgegensetzung von Gut und Böse unter gedrehten Vorzeichen. Der politische Islam – und die Trennung des Islams vom Islamismus oder politischen Islam ist weder eindeutig noch exakt bestimmbar – ist tatsächlich eine Kriegserklärung an die „freie“ Welt, an das selbstbestimmte Leben. Es wird vielen Linken nicht klar, dass der bürgerliche Staat auf der Höhe seiner Entwicklung kritisiert gehört und nicht bloß abgelehnt, dass er gegen die Barbarei verteidigt gehört, selbst wenn er – oder vielmehr, weil er nur – ein Leviathan ist und auch dann, wenn er die Barbarei mitunter beschleunigen mag (signifikant sind die bürgerlichen Staaten nicht für den Zerfall der arabischen Welt verantwortlich, sondern eher das ins politische transformierte kollektive Gefühl der Überheblichkeit und der Trauer über das islamische Großreich mitsamt der blinden Identifikation mit der eigenen Gruppe). Was die Konservativen nicht verstehen, ist, dass dieses Leben, das so viele im monadenhaften Scheitern bloß überleben lässt, keine Zukunft hat, sondern der bürgerliche Staat nur die letzte Zuflucht in einer kapital zugerichteten Welt ist, die ihre eigene Grundlage anfrisst. Der Islam als politische Bewegung, die die islamischen Ländern zuerst zerrüttete, ist keine rassische oder sonst wie zu verstehende unentrinnbare Kollektivität, als die er sehr wohl den „eigenen“ Leuten gegenübertritt. Der Kampf ist gegen diese Ideologie, oder eigentlich gegen zweier: der genozidalen des politischen Islam und der dummen der manichäischen Identitätstheorien im Westen, die in ihrer Zivilisationsfeindschaft natürlich die barbarischen Feinde der Zivilisation unterstützen. Solch ein Kampf wird um die Herzen und Köpfe geführt werden müssen – wobei man sich über Herzen, die den massenhaften Mord und die massenhafte Vergewaltigung unterstützen, doch verzweifeln muss –, so wie er in den Universitäten wohl verloren wurde und er wird zugleich militärisch und polizeilich dergestalt geführt werden müssen, wie es Israel bislang vorgeführt hat: ohne die zivilisatorischen Errungenschaften aufzugeben.

Demgegenüber wird „Islamophobie“ und neuerdings „antimuslimischer Rassismus“ als Begriff für eine inhaltlich bloß teils vorhandene rassistische Anfeindung herumgereicht, wie in der liberalen Linken weitestgehend das Wort die Realität ersetzt. Ob Muslime in einem höheren Maße rassistisch angegriffen werden (man sollte die Unmöglichkeit hier schon raushören), wie das anderer zu bloßen Gruppenbeispielen reduzierten Individuen geschieht, kann nur empirisch entschieden werden und müsste die forcierte Landnahme und die Prominenz des Islam in Rechnung stellen. Zuallererst bedürfte es hier aber eine Begriffsklärung, deren ver-rückter Fall sich im Begriff „Islamophobie“ spiegelt, denn – abgesehen davon, dass er der antiwestlichen Rhetorik der islamischen Staaten (vor allem des Irans) und Bewegungen dient – die unterstellte Angst vor dem Islam ist ja keineswegs eine pathologische, sondern in weiten Teilen eine begründete Angst, oder viel eher gerechtfertigte und unter Rassismusverdacht gestellte Ablehnung von oder zumindest Sorge vor religiöser Kolonisation und der Verdrehung des Islams zu einer Widerstandsbewegung gegen die „Weißen“ oder den Westen – was ja teilweise sich als aufgeklärt dünkende „Weiße“ und andere aus den westlichen Nationen gegen ihre je eigenen Nationen in Anschlag bringen – und einer eigenartig weitreichend vor Kritik geschützten Religion, die zugleich ihren Opferstatus zementiert. Das passiert eben mit einer auf den Hund gekommenen Kapitalismuskritik, die versteinert und verdummt den Westen als Schuft identifiziert hat und das für die Höhe philosophischer Kritik hält, wenn es doch bloß die begrenzte Höhe des eigenen Kopfes darstellt.

Der Begriff antimuslimischer Rassismus ist schließlich außerdem ein funktionsloses Oxymoron, denn was antimuslimisch ist kann per se kein Rassismus sein, höchstens Ausschluss oder Diskriminierung. Aber, um nicht alleine der Begriffsreiterei aufzusitzen, die auch einen Ausdruck wie den des Antisemitismus aushöhlen könnte (wenn auch mit weniger Berechtigung), hier eine inhaltliche Kritik: Es sollte nun selbstverständlich sein, dass Religion – vor allem diese aggressive – hinsichtlich politischer Teilnahme diskriminiert gehört und aus gesellschaftspolitischer wie rechtspolitischer Sicht in bürgerlichen Staaten mit Resten aufklärerischer Tradition wäre es stets wichtig, Religion zu kritisieren (wie alle ihre Erscheinungen) und auch zu kontrollieren. Religion ist immer auf die Eroberung aus und die Zwei-Welten-Lehre war der Beginn des langsamen Rückzugs des Christentums, die nun strikt vom Islam verlangt werden muss, bis sich diese tröstende Dummheit und dieser geistlose Geist auflöst. Es ist eine Farce, hier mit dem Wort Rassismus jegliche antimuslimische Regung zu diffamieren, während man zu den ganzen Barbareien islamistischer Provenienz von kaum jemanden der besagten Communities – eine an sich schon identitätspolitische Falle – genuine Ablehnung vernimmt. Dieser abgrundtiefe Konsens müsste aufgebrochen werden.

Eine Linke, die im lächerlichen Wahnsinn ihre eigene Existenz einer solchen aggressiven und auf Dominanz in der Gesellschaft zielenden Religion opfern möchte und sich bereitwillig unterwirft, zeigt, dass ihr alles was sie einst über ein Leben in Freiheit zu sagen hatte, nicht ernst gemeint war. Der poststrukturelle (und also jegliches Denken auflösende) geistige Ruin sowie die postkoloniale manichäische Einteilung in den bösen Westen und die guten Unterdrückten, geht soweit an den nicht nur aktuellen Entwicklungen vorbei, dass es peinlich wird sich einer Linken noch zurechnen zu wollen, die in Verbrechern und Barbaren den schützenswerten Außenseiter sieht, anstatt eine andere Welt wenigstens gestalten zu wollen, die diese abscheulichen Typen unmöglich macht. Dieses Spiel von Gut und Bös, das eine ahnungslose und geschichtslose Linke durchzieht, ist von jeder Analyse befreit, und wird über die falschen Einschätzungen und Anbiederungen endgültig und im deutlichen Sinn böse. Nicht zuletzt bedienen sie in ihren Ressentiments nur die eigene Ablehnung der Zumutungen einer unbefriedigenden Zivilisation – die ohnehin vom Zerfall bedroht ist –, die, würde sie noch funktionieren, infantilem Zurückziehen genauso entgegensteht, wie der funktionalen Auflösung in Bürokratie. So ist die potentielle Zivilisation des Westens – die bei all ihren Gewalttaten in Vergangenheit und Gegenwart, doch nicht als einzige zur Handlungsfähigkeit und damit Schuldigkeit verurteilt werden kann, und die doch immerhin ein ihr unterm Kapital zwar nicht einzulösendes und doch unter ihm aufkommendes Versprechen festhält – dem modernen Linken das Böse aufgrund ihrer technologischen und ökonomischen Überlegenheit, dem einfachen Verstand der Linken gilt heute die überlegene Gewalt als das Böse, nicht die Intention der wahnsinnigen Mörder. Ohne zu begreifen oder sich nur vorstellen zu können, was die Regime und Bewegungen machen würden, hätten sie die Macht, das zu verwirklichen, was sie ohne Zurückhaltung hinausposaunen. Es ist hier das alte antisemitische Topos des übermächtigen Juden zu erkennen, der die Welt kontrolliert und dem unterstellt wird, was dem Antisemiten selber der unstillbare Antrieb ist.

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